Zusammenwohnen Wohnbaukonferenz #2 — online! 11.—24.09.

Bezahlbarer Wohnraum
Gemeinwohlorientierte Wohnprojekte 
Konzeptverfahren


Die 2. Wohnbaukonferenz der „Plattform Wohndebatte“ hatte den Titel „Zusammenwohnen“ und sollte ursprünglich als Austausch- und Vernetzungsveranstaltung über die Bühne gehen. Doch ausgerechnet eine Tagung über Gemeinsinn und Gemeinwohl musste gemäß den Versammlungsbeschränkungen ins Internet verlegt werden. Dass dennoch die Referierenden und Teilnehmenden während der Veranstaltung eine Art Gemeinschaft gebildet haben, zeigt die große Menge der Interessierten. Aus dem eigens installierten „Studio“ der Stiftung Baukultur in Weimar-Gelmeroda wurden der organisatorische Rahmen und die Moderation gesendet. Mittels Videokonferenz waren bei der Konferenz bis zu 100 Personen und in den Workshops nie weniger als 40 Teilnehmende dabei.

11.09.2020

Vorträge und Diskussionen

Mit der Konferenz begann ein Zyklus von insgesamt fünf Veranstaltungen. Die Unterüberschrift „Bezahlbarer Wohnraum · Gemeinwohlorientierte Wohnprojekte · Konzeptverfahren“ schloss eine Forderung sowie zwei Lösungswege ein. An zahlreichen Beispielen führten sechs Referierende aus, wie Neben- und Sonderwege des Wohnens und des Wohnungsbaus heutigen Anforderungen des Wohnens entsprechen.

Baukultur, Gemeinwohlorientierung, Konzeptverfahren
Die Eckpfeiler für zukunftsweisende Planung

Birgit Kasper
Vorstandsmitglied der Bundesvereinigung FORUM Gemeinschaftliches Wohnen, Koordinatorin Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen e. V., Frankfurt am Main

Vortrag Karin Hartmann und Robert Temel
Vortrag Karin Hartmann und Robert Temel

Gute Gestaltung für das Quartier
Konzeptverfahren in der Forschung

Ergebnisse und Erfahrungen des BBSR-Forschungsvorhabens »Baukultur für das Quartier - Prozesskultur durch Konzeptvergabe«

Karin Hartmann
Referentin für Baukultur im Bundesinstitut für Bau-, Stadt, und Raumforschung (BBSR), Bonn

Robert Temel
Selbstständiger Architektur- und Stadtforscher sowie Berater, Wien

Podiumsdiskussion

Moderation
Dr. Ulrich Wieler und Ulla Schauber
Stiftung Baukultur Thüringen

Wohnprojekte abseits von Schwarmstädten
Synergien für Kommunen und Quartiere

Norbert Post
post welters + partner mbB, Vorstandsvorsitzender Bundesverband Baugemeinschaften e. V., Dortmund

Gemeinschaftlich Wohnen in Thüringen
Vielfalt und Entwicklungstendenzen

Ulrike Jurrack
Vorstandsvorsitzende WohnStrategen e. V., Regionalstelle Thüringen der Bundesvereinigung FORUM Gemeinschaftliches Wohnen e. V., Weimar

Bürgerfonds und Erbbaurecht
Steuerungsinstrumente einer gemeinwohlorientierten Bodenpolitik

Rolf Novy-Huy
Geschäftsführender Vorstand der Stiftung trias, Mitglied Netzwerk Immovielien e.V., Hattingen

Podiumsdiskussion

Moderation
Dr. Ulrich Wieler und Ulla Schauber
Stiftung Baukultur Thüringen

Fazit

Prof. Dr. Gerd Zimmermann und Dr. Stephan Jung
Stiftung Baukultur Thüringen

Das Online-Studio der Konferenz

Neufert-Haus in Weimar-Gelmeroda

Wir danken hofmann Eventtechnik für die professionelle Unterstützung.

Den Schwenk nach Thüringen und seine eigenen Ausgangsbedingungen schafften die vier Workshops, die 14 Tage später, die Referierenden noch einmal in kleinere Gesprächsrunden holte. Zu jedem Workshop gaben vier Expert*innen und zivilgesellschaftliche Akteure ein Impulsstatement zu Erbbaurecht, zu einer Wohnungswirtschaft zwischen Rendite, Gemeinwohl und Selbstorganisation, zu Förderinstrumenten sowie zu den Planungsprozessen und Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb von Wohnprojekten. Diese Gespräche waren ursprünglich als offene Gespräche geplant und glichen dann eher kommentierten Podiumsgesprächen. Das lag vielleicht in der Natur der Sache, denn viele der Zuhörenden wollten sich ein grundlegendes Bild machen, von einer Szene, die sich traf und die eine wunderbare Gelegenheit erhielt, untereinander zu debattieren.

Sehr offen wurde über die Motive und Hemmnisse gemeinwohlorientierter Wohnprojekte gesprochen. Diese Projekte verstehen sich oft als Pioniere zu gesellschaftlichen und städtebaulichen Themen, wie z. B. inklusives Wohnen, ökologisches Bauen und Wirtschaften, Autoverzicht oder auch Ehrenamt und Generationenwohnen. Eine Initiative kann sich mit einem solchen Paket an Ansprüchen selbst überladen oder aber sie strahlt aus in die Nachbarschaft, welche von ihrer Aktivität profitiert. Gemeinwohlorientierte Projekte können hier regelrechte Motoren für Entwicklungen sein.

Debattiert wurde auch über eine eigene Ästhetik, d. h. gebaute Erscheinung, die von gemeinschaftlichen Wohnprojekten ausgeht. Wie der genuin gemeinwohlorientierte Baustil aussehen kann, das klärt jedes Jahrzehnt für sich. Einen baukulturellen Mehrwert schaffen die gezeigten Projektbeispiele immer dann, wenn die verwirklichten Lebensbedingungen oder der Bauprozess selbst als Teil der Gestaltung sichtbar bleiben.

Moderation:
Ulla Schauber und
Dr. Stephan Jung

21.09.2020 | Workshop 1

Erbbaurecht: Zukunft durch ein altes Instrument

Chancen in der Wohnungs- und Bodenpolitik: Mehr bezahlbares, nachhaltiges und gemeinwohlorientiertes Bauen und Wohnen

Impulse:

  • Rolf Novy-Huy (Stiftung trias/ Netzwerk Immovielien e.V.),
  • Bertram Schiffers (IBA Thüringen/ Netzwerk Immovielien e.V.),
  • Prof. Verena von Beckerath (Bauhaus-Universität Weimar, Professur Entwerfen und Wohnungsbau)
  • Frank Wosnitzka (Stadt Erfurt, Abteilungsleiter Liegenschaften)
  • Uwe Flurschütz (Wohnopia e.V., Erfurt)

Moderation:
Dr. Ulrich Wieler und
Prof. Dr. Gerd Zimmermann

22.09.2020 | Workshop 2

Wohnungswirtschaft: zwischen Rendite, Gemeinwohl und Selbstorganisation

Die Rolle von Traditionsgenossenschaften, kommunalen Wohnungsgesellschaften, sozialen Trägern und anderen Akteuren im Tätigkeitsfeld „Gemeinwohlorientierter Wohnungsbau und gemeinschaftliche Wohnprojekte“

Impulse: 

  • Martin Gebhardt (Diakoniestiftung Weimar-Bad Lobenstein),
  • Frank Emrich (Verband Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft e.V.),
  • Christine Riede (Baugesellschaft Gotha mbH)
  • Stephan Hempel (Ro 70 eG, Weimar)

Moderation:
Dr. Stephan Jung und 
Ulla Schauber

21.09.2020 | Workshop 3

Steuerungsinstrumente: zwischen Fordern und Fördern

Wie Kommunen und Länder gemeinwohlorientierte und gemeinschaftliche Wohnvorhaben unterstützen (können). Möglichkeiten und Grenzen staatlicher Steuerungsinstrumente

Impulse: 

  • Bernward Fechtel (Stadtentwicklungsamt/ Stadtarchitekt Stadt Weimar),
  • Birgit Kasper (Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen e.V.),
  • Jochen Schwarz (TMIL, Referat Wohnungsbau, Wohnungsbauförderung),
  • Robert Temel (selbstständiger Architektur- und Stadtforscher sowie Berater)
  • N.N. (Alte Feuerwache Weimar e.V. – Mietshäusersyndikatsprojekt in Entstehung)

Moderation:
Prof. Dr. Gerd Zimmermann und
Dr. Ulrich Wieler

21.09.2020 | Workshop 4

Gestaltungskompetenz: zwischen Entwurf, Moderation und Management

Planung und Entwicklung von Wohnprojekten und Baugruppenvorhaben. Freud und Leid beteiligter Planer*innen. Neue Tätigkeitsfelder erfordern neue Kompetenzen von Planern und Projektentwicklern.

Impulse: 

  • Ulrike Jurrack (WohnStrategen e.V., Regionalstelle Thüringen der Bundesvereinigung FORUM Gemeinschaftliches Wohnen),
  • Ulrike Ludewig (Architekturbüro Ludewig)
  • Norbert Post (post welters + partner mbB, Vorstandsvorsitzender Bundesverband Baugemeinschaften e.V.),
  • Karin Hartmann (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, BBSR)

Das Online-Studio der Workshops

Neufert-Haus in Weimar-Gelmeroda

Wir danken hofmann Eventtechnik für die professionelle Unterstützung.

Wie kann man selbst initiativ werden?
Wer alle Veranstaltungen gesehen hat, kann sich ein Bild machen, wie aktuell in Städten mit hochpreisig orientierten Wohnungsmärkten und gleichzeitig in schrumpfenden Landregionen die Initiativen zu gemeinwohlorientiertem Wohnen Zeichen setzen. Immer wieder wurde jedoch betont, dass das oft unbezahlte Engagement von Baugruppen und Wohnprojekten mit fachlicher Expertise beantwortet werden muss. All das zusammen kann ein Handlungsumfeld schaffen, in dem sich immer mehr Menschen – auch in kleinen Ortschaften – trauen, ihre Vorstellung vom Wohnen mit anderen gemeinsam umzusetzen. So könnte ein guter Nebeneffekt der Veranstaltungsreihe gewesen sein, dass sich einige der Zuschauenden direkt für die Praxis inspirieren ließen. Gemeinsam wurde der Schluss gezogen, dass nicht alle Menschen einen derart anspruchsvollen Weg zum Wohnen zurücklegen wollen und auch nicht alle ein Milieu der (selbstorganisierten) Gemeinschaftlichkeit suchen. In den Beiträgen wurde vielmehr nach Anknüpfungspunkten in der Wohnungswirtschaft gesucht, im (Zeit-)Geist von gemeinschaftlichen Wohnformen weiter zu denken. Viele der genannten Sehnsüchte und Auslöser sind stärker verbreitet als man denken mag. Das Wohnen kennt keine Unbeteiligten - sowohl bei denen die Bauen, als auch bei denen, die „nur“ Wohnen wollen.

Literatur und Medien

Veranstalterin / Förderung

Weitere Unterstützer

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