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Mikrofinanzierung
Kleines Geld, große Wirkung!
Baukultur entsteht dort, wo Menschen Verantwortung für ihre Umwelt übernehmen – im Kleinen wie im Großen, im Alltag und in langfristigen Entwicklungen. Mit der Mikrofinanzierung hat die Stiftung Baukultur Thüringen ein Programm geschaffen, das genau hier ansetzt. Es unterstützt baukulturelles Engagement direkt vor Ort und ermöglicht allen, die etwas verändern wollen, ihre Ideen zu testen, weiterzuentwickeln und sichtbar zu machen.
Die Mikrofinanzierung knüpft an die Erfahrungen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen an. In vielen Gesprächen wurde deutlich, dass es einen großen Bedarf an einfacher, unbürokratischer und gleichzeitig wirkungsvoller Unterstützung gibt. Die Stiftung Baukultur Thüringen, die vom Freistaat Thüringen gefördert wird, hat diese Anregungen mit der Mikrofinanzierung aufgegriffen.
Mikrofinanzierungsprojekte 2026

Ins Netz e.V.
TRAFO elektrisiert Kultur
Die ehemalige Transformatorstation in Jena ist ein außergewöhnliches Zeugnis der Industriegeschichte. Seit 2014 engagieren sich die Mitglieder des »Ins Netz e. V.« dafür, das ehemalige Maschinenhaus des ersten Jenaer Elektrizitätswerks als Kultur- und Begegnungsort neu zu beleben. Mit Führungen, Gesprächen und einem Podium mit einem Zeitzeugen machten sie die Geschichte der Trafo erlebbar – von ihrer Bedeutung für die Energieversorgung und Straßenbahn bis zu ihrer heutigen Nutzung als Ort des Austauschs. Die Mikrofinanzierung unterstützt den Verein dabei, die Geschichte des Gebäudes aufzuarbeiten und sie künftig in einer Ausstellung dauerhaft zugänglich zu machen.

Freundeskreis und Förderverein des Altenburger Hofsalons i. G.
Altenburger Hofsalon bringt Impulse
Hinter der Brüderkirche in Altenburg ist der Hofsalon seit 2019 zu einem offenen kulturellen Begegnungsort für die Stadtgesellschaft gewachsen. Gemeinsam mit vielen Ehrenamtlichen entwickelt Pfarrer Sandro Vogler hier Formate, bei denen Kultur nicht konsumiert, sondern gemeinsam gestaltet wird. Daran knüpft in diesem Jahr die Künstlerresidenz von Martin Fink an. Mit seiner Frage »Wenn ihr Präsident eurer Stadt wärt – welche drei Maßnahmen würdet ihr umsetzen?« lädt er die Menschen im Quartier dazu ein, über ihre Stadt ins Gespräch zu kommen. Aus Ideen und Begegnungen entstehen temporäre Interventionen, die zeigen, wie gemeinsames Nachdenken zu neuen Perspektiven und Impulsen für die Stadtentwicklung werden kann.

KulturQuartier Schauspielhaus eG
KulturQuartier betrachtet sein Graffiti
Das ehemalige Schauspielhaus Erfurt erzählt viele Geschichten – auch die, die Graffiti und Street Art in den vergangenen Jahren auf seinen Wänden hinterlassen haben. Björn Schorr und Thomas Schmidt vom KulturQuartier Schauspielhaus Erfurt laden dazu ein, diese oft übersehenen Spuren des Wandels
neu zu betrachten. In Vorträgen und einem Podiumsgespräch diskutieren Fachleute und Interessierte, wie sich Denkmalschutz und Graffiti zueinander verhalten und welche Zeugnisse einer bewegten Gebäudegeschichte bewahrt werden sollten. So wird das Schauspielhaus selbst zum Ausgangspunkt einer Debatte darüber, wie wir mit unserem baukulturellen Erbe umgehen.

Ortsteilrat Ilmenau-Roda
Zuhause bleiben in Roda
Wie möchten wir im Dorf künftig wohnen – heute und im Alter? Dieser Frage gehen Sabine Heusing vom Ortsteilrat und die Innenarchitektin Nicole Heusing gemeinsam mit den Menschen in Roda nach. Bei einem Informations- und Austauschabend kommen Bürgerinnen und Bürger mit Fachleuten aus Architektur, Energieberatung und Pflege insGespräch. Gemeinsam werden Ideen für barrierearmes Wohnen, sinnvolle Sanierungen und eine zukunftsfähige Dorfentwicklung entwickelt – mit dem Ziel, das Leben im Dorf auch für kommende Generationen attraktiv zu gestalten.

Künstlerhaus Thüringen e.V.
Künstlerverein inspiriert zum Selbstbauen
Mitten im Renaissancegarten von Schloss Kannawurf entstand in den vergangenen Jahren ein 40 Meter langes Gartenentrée – in Selbstbauweise und mit demEngagement von Ehrenamtlichen aus vielen Ländern. Roland Lange und das Künstlerhaus Thüringen zeigen damit, dass zeitgenössische Architektur auf dem Land auch jenseits der Baumarktästhetik entstehen kann. Das große Interesse der Besucherinnen und Besucher wurde zum Ausgangspunkt für ein Mikro-Symposium: Gemeinsam mit Fachleuten und Interessierten ging es um die Frage, wie Menschen ihre gebaute Umwelt selbst gestalten, regionale Materialien einsetzen und durch gemeinsames Bauen lebenswerte Orte schaffen können.

Bauhaus-Universität Weimar in Koop. mit Urbane Liga
Ideen schmieden in Schmiedefeld
Was kann aus einem leerstehenden Gebäude werden? Frederick Kubin und Lilla Kammermann von der Urbanen Liga verwandelten das ehemalige Café Harlekin in Schmiedefeld am Rennsteig für eine Woche in einen offenen Arbeits-, Ausstellungs- und Begegnungsort. Gemeinsam mit Studierenden, Engagierten und Menschen aus der Region sind Ideen für neue Nutzungen entstanden, die direkt vor Ort ausprobiert wurden. Das Reallabor machte erfahrbar, wie Leerstand durch gemeinsames Handeln wieder zum Treffpunkt werden kann – und welche Impulse daraus für andere Orte im ländlichen Raum entstehen.

Ortsteilrat Tröbsdorf
Zukunftsstammtisch für das gute Haus
Das ehemalige Schul- und Verwaltungsgebäude in Tröbsdorf soll wieder zu einem Ort für die Dorfgemeinschaft werden. Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern entwickelt der Ortsteilrat Ideen für eine künftige Nutzung und erarbeitet in einem moderierten Beteiligungsprozess ein tragfähiges Konzept. Die 1150-Jahr-Feier bildet den Auftakt für den Dialog, an den weitere Zukunftsstammtische
anknüpfen. Das Projekt zeigt, wie gemeinsames Planen die Grundlage dafür schaffen kann, ein bestehendes Gebäude langfristig zu erhalten und mit neuem Leben zu füllen.

Kulturhof Kleinmecka e.V.
Kuhstall als Lehrstück
Wie wurde früher gebaut – und was können wir heute noch davon lernen? Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern baut Robert Herrmann vom Kulturhof Kleinmecka ein detailgetreues Holzmodell eines typischen Altenburger Kuhstalls aus dem 19. Jahrhundert. Dabei werden traditionelle Holzverbindungen, regionale Bauweisen und handwerkliche Techniken praktisch erfahrbar. Das gemeinsame Arbeiten vermittelt Wissen über die Baukultur der Region und zeigt, warum historische Bauweisen bis heute wertvolle Anregungen für das Bauen im Bestand geben können.

Freunde elektronischer Tanzmusik Thüringen e.V.
Verein für Tanzmusik rettet Tanzsaal
Der historische Tanzsaal in Nahwinden prägte über viele Jahrzehnte das kulturelle Leben des Ortes. Heute steht das Gebäude leer – doch statt über Abriss nachzudenken, möchten Alexander Härtel und die Freunde elektronischer Tanzmusik Thüringen gemeinsam mit der Gemeinde neue Perspektiven entwickeln. Ein Tag der offenen Baustelle mit Führungen, einer Ausstellung und einem Beteiligungsworkshop lädt dazu ein, die Geschichte des Hauses kennenzulernen und Ideen für seine Zukunft zu sammeln. Das Projekt zeigt, welches Potenzial in bestehenden Gebäuden steckt und wie sie als Kultur- und Begegnungsorte wieder Teil des Dorflebens werden können.

Bauhaus-Universität Weimar
Studierende reaktivieren „Goldenen Löwen“
Seit Jahren steht der ehemalige Gasthof „Goldener Löwe“ in Kloster Veßra leer. Mit Dr. Steffen de Rudderund seinen Studierenden der Bauhaus-Universität Weimar wird das Gebäude für kurze Zeit wieder zum Treffpunkt des Dorfes. Durch Veranstaltungen, gemeinschaftlicheAktivitäten und einem Dorffest
erkunden sie gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, welche Zukunft in dem historischen
Gasthof steckt. Das Projekt zeigt, wie selbst langjährige Leerstände durch gemeinsames Ausprobieren wieder Teil des Dorflebens werden können. Foto: Steffen de Rudder
Mikrofinanzierungsprojekte 2025

Haus Bräutigam e.V.
Bauschule Lehm wiederverwenden
Die Bauschule im Haus Bräutigam machte das Sommerfrische-Haus in Schwarzburg wieder zu einem offenen Lern- und Baulabor. Studierende erprobten hier gemeinsam mit Fachleuten den denkmalgerechten Umbau mit wiederverwendetem Lehm und ökologischen Baustoffen. So wurde zirkuläres Bauen praktisch vermittelt und eine neue Umbaukultur erlebbar gemacht.

Künstlerhaus Thüringen e.V.
Werkstatttag Badebrücke Kannawurf
Die Schwarze Brücke von Kannawurf könnte als Holzbrücke auf historischem Fundament neu entstehen. Sie würde Radweg, Badestelle und Zugang zur Flussaue verbinden und Tourismus wie Baukultur stärken. Ein öffentlicher Werkstatttag auf Schloss Kannawurf zeigte: Die Vision ist machbar und findet breite Unterstützung. Grafik: Katharina Wittke

Volkmar Knoch
Mikrotagung Bohlenstube 21
Das „Alte Haus“ in Mötzelbach wird mit dem Projekt Bohlenstube 21 behutsam neu belebt. In Eigenleistung entstehen nach historischem Vorbild hölzerne Wohnzellen als reparierbares, ressourcenschonendes Wohnmodell für den ländlichen Raum. Die Einweihung der Bohlenstuben machte das Denkmal zum offenen Ort für Austausch über Weiterbauen, Reduktion und Gemeinschaft.

Kulturpalast Unterwellenborn e.V.
Fotoausstellung 50 Jahren Maxhütte
Der Kulturpalast Unterwellenborn e.V. macht das industrielle Erbe der Maxhütte sichtbar, direkt am Ort des Geschehens: In der Gasmaschinenzentrale wurden historische Fotografien erstmals großformatig gezeigt und mit Hilfe von KI aufbereitet. Die Ausstellung regte viele Besucher:innen dazu an, über die Zukunft dieses baukulturellen „Riesen“ ins Gespräch zu kommen.

Ortsjugendwerk Schwarzatal
Projekt Raum – Zeit – Jugend
Ein Jugendprojekt in Schwarzburg setzte sich kritisch mit der wechselvollen Geschichte des ehemaligen Lager- und Feriengeländes an der Schwarza auseinander. Mit Unterstützung von Gemeinde und AWO recherchierten Jugendliche zur Historie ihres Treffpunkts. Parallel gestalteten sie das Areal weiter und machen seine Geschichte künftig sichtbar. Foto: Ortsjugendwerk

Michael Kraus
Workshop Marktstraße Weimar
Ein Workshop zur Weimarer Marktstraße zeigte, welches Potenzial Straßen für Lebensqualität, Klimaresilienz und Begegnung haben. Studierende entwickelten gemeinsam mit Anwohnenden, Gewerbetreibenden und Fachleuten Ideen für eine aufenthaltsfreundlicheres Quartier. Die Marktstraße wurde so zum offenen Denkraum für eine gemeinwohlorientierte Verkehrswende.

Stiftung Haus der Jugend & Technik
Dinner Straßenbahndepot Jena
Das Alte Straßenbahndepot in Jena öffnete sich als Ort für gemeinschaftliche Stadtentwicklung. Eine Fotosafari, Ausstellung und ein gemeinsames Dinner machten das industrielle Erbe neu erlebbar und brachten unterschiedliche Nutzer:innen zusammen. So wurde das Depot als Raum für Austausch, Beteiligung und zukünftige Nutzungen erprobt. Foto: Katrin Hitziggrad

LeerGut-Agent*innnen e.V.
Vermittlungsbausteine LeerGut
Der Verein der LeerGut-Agentinnen und -Agenten setzt sich thüringenweit für die Aktivierung leerstehender Gebäude ein. Für ihre Netzwerktreffen im vorrangig ländlichen Raum produzierten sie eine mobile Ausstattung aus Infostand und Sitzmöbeln. Sie stärkt die Sichtbarkeit des Netzwerks und begleitet zukünftige Treffen direkt an den Orten des LeerGuts. Foto: LeerGut-Agent*innen e.V.

Thomas Laubert
Erzählcafés Terrassencafé Gera
Das ehemalige Terrassencafé auf Schloss Osterstein öffnete sich erneut für die Öffentlichkeit. Bei Kaffee, Kultur und Gesprächen sammelten Besucher:innen Erinnerungen und Ideen für die Zukunft des lange leerstehenden Denkmals. Die Probenutzung zeigte das große Potenzial des Ortes für eine öffentliche, kulturelle Nutzung. Foto: Thomas Laubert

Alte Feuerwache Weimar e.V.
Nachbarschaftliches Turmfest
Die Alte Feuerwache Weimar entwickelt sich zu einem gemeinschaftlichen Stadtquartier für Viele. Zum 99. Geburtstag des Schlauchturms öffnete ein Hoffest den Ort für Austausch, Erinnerungen und Ideen zur zukünftigen Nutzung. Das Projekt zeigt, wie solidarische Stadtentwicklung durch gemeinsames Engagement gelingen kann. Foto: Alte Feuerwache e.V.