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23.10.2024: Baukultur-Gespräch „Sorge um den Bestand“

Stiftung Baukultur Thüringen

23.10.2024: Baukultur-Gespräch „Sorge um den Bestand“

Im Rahmen der Ausstellung „Sorge um den Bestand“ des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten fand das 4. Baukultur-Gespräch in Erfurt statt. Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, Förderinstitutionen, Zivilgesellschaft, Initiativen und Hochschulen kamen in einen intensiven Austausch darüber, wie der Umgang mit dem baulichen Bestand Chancen für Thüringen eröffnet. Im Mittelpunkt stand weniger das einzelne Gebäude als vielmehr die Frage, wie Kommunen, Ehrenamt und Förderstrukturen besser zusammenwirken können. Die Vorstellung des Thüringer Kommunalmonitors 2024 zu Beginn des Gesprächs verschärfte das Bild des anhaltenden Investitionsdrucks, strukturellen Engpässen und einem Bedarf an effizienteren Prozessen und stärkerer finanzieller Ausstattung, um kommunale Handlungsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit zu sichern.

Deutlich wurde auch durch die Wortbeiträge aus der interdisziplinären Runde, dass viele ländliche Räume nicht mehr bedarfsgerecht ausgestattet sind und bestehende Förderinstrumente den realen Herausforderungen vor Ort oft nicht entsprechen. Hohe Investitionsbedarfe treffen auf personelle und finanzielle Engpässe. Gleichzeitig gerät das Ehrenamt, das vielerorts zentrale Aufgaben übernimmt, zunehmend unter Druck.

Als möglicher Ausweg wurde Baukultur nicht nur als bauliches, sondern als prozessuales Instrument verstanden. Baukultur kann helfen, Bedarfe frühzeitig zu klären, die richtigen Partnerinnen und Partner zu vernetzen und Entwicklungsprozesse langfristig zu begleiten. Statt immer neuer Einzelanträge braucht es Lernprozesse, positive Beispiele und den Mut, schrittweise vorzugehen.

Besonders betont wurde die Bedeutung zivilgesellschaftlichen Engagements. Damit dieses wirksam bleibt, braucht es Wertschätzung, Sichtbarkeit und Beteiligungsformate, die viele mitnehmen und nicht auf Einzelne setzen. Netzwerke, Beratungsstrukturen und „neutrale Dritte“ können dabei unterstützen, Wissen zu bündeln und Prozesse zu moderieren.

Das Baukultur-Gespräch machte deutlich, dass Baukultur einen wichtigen Beitrag leisten kann, um die Kluft zwischen Förderkulisse und tatsächlichem Bedarf zu überbrücken. Als verbindendes Element zwischen Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft kann sie helfen, vom Reden ins Handeln zu kommen – vorausgesetzt, die Gespräche münden in konkrete nächste Schritte.

Teilnehmende

  • Daniel Schmidt, Bereichsleiter Thüringer Aufbaubank
  • Elke Bergt, Baureferatsleiterin Evangelische Kirche Mitteldeutschland
  • Michael Rommel, Landesvorsitzender BDA Thüringen
  • Klaus-Peter Uht, Stiftung Dialoglandschaften
  • Marco Antonio Reyes Loredo, BauHOF e.V. Niedergrunstedt
  • Constanze Roth, Bündnis Vogtlandpioniere
  • lnes Kinsky, LEADER Aktionsgruppe Saalfeld-Rudolstadt e.V.
  • Dr. Jan Kobel, Architekt
  • Katja Fischer, Geschäftsführende Vorständin Stiftung Baukultur Thüringen
  • Rebecca Sommer, Projektleiterin ThEGA
  • Carolin Danzl-Neumann, Vermietung in Erfurt
  • Sandra Vent-Reuß, Thüringer Ehrenamtsstiftung
  • Susann Fröderking, Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum
Michael Rommer, Vorsitzender des BDA Thüringen, brachte die Ausstellung Sorge um den Bestand nach Erfurt.