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VeranstaltungenDas 100



DAS 100 • WOHNHAUS FÜR STUDIERENDE


Ausstellungsdaten
23. Februar bis 16. März 2017
Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag, 15.00 bis 18.00 Uhr
Eintritt frei

Vernissage
23. Februar um 17.00 Uhr

Neufert-Box
99428 Weimar, Rudolstädter Str. 7

Ausführliche Informationen zum Wettbewerb und den Preisträgern erhalten Sie unter:
www.iba-thueringen.de/wettbewerb-das-100


1923 entstand mit dem Musterhaus »Am Horn« das erste bauliche Zeugnis des Bauhauses in Weimar. Rund 70 Jahre später wurde das Gelände in dessen Nachbarschaft, für das die Bauhäusler einst eine Mustersiedlung vorgesehen hatten, in einem städtebaulichen Wettbewerb mit dem Titel »Neues Bauen am Horn« zu einem Musterstadtteil entwickelt. Der Entwurf sah am Westende des Areals ein turmartiges Gebäude vor.

Dieses wird nun als IBA Kandidat unter dem Namen »Das 100« als Wohnhaus für Studierende umgesetzt. Der Anspruch dabei ist 100%: Bei Fragen des regionalen Bauens, bei energetischen Standards, sozialen Innovationen, bei Gestaltung, Flexibilität und Preis sollen keine Kompromisse eingegangen werden. Der Bau greift die Tradition des Bauhauses an diesem Ort auf und fragt: Was würde das Bauhaus heute machen?

Gemeinsam mit der Stiftung Baukultur Thüringen und der IBA Thüringen hat das Studierendenwerk Thüringen einen EU-weiten, offenen Architekturwettbewerb für diese ambitionierte Aufgabenstellung ausgelobt. Dabei waren Position und Kubatur des Baukörpers vorgegeben. Insgesamt 60 Architekturbüros folgten dem Aufruf.


Prof. Dr. Gerd Zimmermann, Juryvorsitzender, Präsident der Stiftung Baukultur Thüringen

»Das 100« ist ein Modellprojekt für das studentische Wohnen von morgen. Es knüpft an die Geschichte des Musterhauses am Horn und der damals geplanten Bauhaussiedlung an dieser Stelle an. Wie ein Signet wird sich das Gebäude oberhalb der Stadt erheben, auf einem Gelände, das wie eine Art Stadtterrasse oder eine Akropolis funktioniert. Und diese Akropolis ist nicht nur ein Wohnort, sondern auch ein Ort der Bildung.


Uwe Rausch, Studierendenwerk Thüringen

Mit dem Projekt »Das 100« wollen wir neue Standards für studentisches Wohnen setzen. Der Mietpreis muss Bafög-gerecht sein, also derzeit bei etwa 250,- Euro pro Wohneinheit warm liegen. Zugleich möchten wir den Studierenden verschiedene Wohnraumaufteilungen anbieten und dabei gemeinschaftliche Flächen betonen.


Dr. Marta Doehler-Behzadi, Geschäftsführerin der IBA Thüringen

Bei dem Wettbewerb »Das 100 – Wohnhaus für Studierende« in Weimar freue ich mich besonders, dass sich junge Entwerfer durchsetzten konnten. Gemeinsam mit dem Bauherren und der Stiftung Baukultur haben wir hier »100 Prozent IBA«, also ein Gebäude, das innovativ im Ansatz und exzellent in der Umsetzung ist.


Wettbewerb

Im Oktober 2016 lobten das Studierendenwerk Thüringen, die Stiftung Baukultur und die IBA Thüringen einen offenen, EU-weiten Realisierungswettbewerb für den IBA Kandidaten »Das 100« aus. Bis zum 8. Februar 2017 reichten 60 Architekturbüros ihre Arbeiten ein. Eine elfköpfige Jury aus mehreren Fachrichtungen setzte sich intensiv mit den Ergebnissen des Wettbewerbs auseinander. Neben der Umsetzung der hohen Ansprüche war auch die Realisierbarkeit bis 2019 ein wesentliches Kriterium. In der Jurysitzung am 21. und 22. Februar 2017 wurden unter Vorsitz von Prof. Dr. Gerd Zimmermann zwei erste Preise und ein zweiter Preis vergeben.

Jeweils einen ersten Preis erhalten Dipl.-Ing. Thomas Wasserkampf mit Max Wasserkampf (Aachen/Weimar) sowie Almannai Fischer, Reem Almannai, Florian Fischer Architekten PartGmbB (München). Diese Preise sind mit je 10.000 Euro dotiert. Der zweite Preis in Höhe von 6.000 Euro geht an Wiencke Architekten (Dresden).

Nach dem Abschluss des Wettbewerbsverfahrens tritt das Studierendenwerk Thüringen, begleitet durch die Stiftung Baukultur Thüringen und IBA Thüringen, mit den Preisträgern in Verhandlung, um einen geeigneten Partner für die weiteren Planungsschritte zu finden. Die konkrete Bauplanung soll bereits 2017 beginnen. Im Jahr 2019, dem Jahr des hundertjährigen Gründungsjubiläums des Bauhauses in Weimar und dem Zwischenpräsentationsjahr der IBA Thüringen, soll der Bau eröffnet werden.


Fachpreisrichter:

  • Prof. Dipl.-Ing. Verena von Beckerath, Architektin Berlin/Weimar
  • Dr. Marta Doehler-Behzadi, Geschäftsführerin der IBA Thüringen
  • Prof. Dipl.-Ing. Karl-Heinz-Schmitz, Bauhaus-Universität Weimar
  • Yves Schihin, Architekt Zürich
  • Prof. Dipl.-Ing. Stefan Winter, TU München
  • Prof. Dr. Gerd Zimmermann, Architekt Weimar, Stiftung Baukultur Thüringen

Sachpreisrichter:

  • Dr. Dieter Gentsch, Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und digitale Gesellschaft
  • Dipl.-Ing. Ursel Grigutsch, Stadt Weimar
  • Dipl.-Ing. Beate Hauser, Studierendenwerk Thüringen
  • Dr. Klaus Sühl, Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft
  • Dipl.-Ing. Lars Christian Uhlig, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)


Preisträger


1. Preis (10.000 Euro):

Architektur Büro Dipl.-Ing. Thomas Wasserkampf, Aachen / Max Wasserkampf, Weimar

Der Wettbewerb hat in seiner Aufgabe die Empfehlung zu Holz als Baustoff ausgesprochen. In diesem Fall wurde ein Holzhaus konzipiert, das nach außen seine materialspezifische Fügung zu einem gliedernden Prinzip ausformuliert. Trotz einer neuen Oberflächensprache fügt sich der Bau in die Gesellschaft der massiven Nachbargebäude ein. Im Inneren wird versucht, alle Verkehrsflächen zugunsten der Wohnbereiche zu eliminieren. So legt sich um den zentralen Treppenturm eine Abfolge aus Wohn- und Essbereichen samt den dazugehörigen Loggien. Die Wandlungsmöglichkeit der Grundrisse vom Studierendenappartement bis zur Familienwohnung ist eine Stärke dieser Arbeit.


1. Preis (10.000 Euro):

Almannai Fischer; Reem Almannai, Florian Fischer Architekten PartG mbB, München

Mit einer klaren, massiven und fast geschlossenen Fassade gibt der Entwurf zum Carl-Alexander-Platz wenig von seinem Inneren preis. Umso mehr öffnet er sich nach Süden mit Terrassen und einem Laubengang, der alle Wohnungen erschließt. Die Wohnungen sind auf die gesamte Breite des Gebäudes durchgesteckt und entwickeln vom lichtdurchfluteten Gemeinschaftsbereich bis hin zu den Schlafräumen eine zunehmende Privatheit. In dieser Konsequenz und über eine lichte Etagenhöhe von 3,15 m werden Angebote für viele Wohnansprüche möglich.


2. Preis (6.000 Euro):

Wiencke Architekten; Dipl.-Ing. T. Maisch, Dipl.-Ing. J. Wiencke, Dresden

Hier zeigt sich ein Quader auf einem massiven Sockel mit einem allseitig prägenden, stählernen Konstruktionsraster. Der Entwurf gibt sich an den gläsernen Zimmerfronten gleichzeitig unnahbar und ist dabei fast gänzlich transparent. Mit diesem Wechselspiel rechnet das Haus, das im Inneren seine Wohnungen nach Ost und West zu eben diesen Glasfassaden ausrichtet. Die Idee eines zentralen Mittelgangs um ein abgeschlossenes Treppenhaus herum hat viele Vorschläge des Wettbewerbs geprägt. Für diese Zwischenfläche mit Anschluss an zwei Gemeinschaftsterrassen ist ein räumlicher Nutzen für alle Bewohner absehbar.


Hintergrund zum Standort und zur Aufgabenstellung

Oberhalb der Stadt Weimar liegt ein ehemaliges Militärgelände, das um die Streichhan-Kaserne ein historisches Ensemble umfasst. Dazu zählt seit einem städtebaulichen Wettbewerb von 1997 ein Gelände, das unter anderem als »Neues Bauen am Horn« zu einer Art Musterstadtteil gewachsen ist. Der Wettbewerb sah am Westende des Carl-Alexander-Platzes ein turmartiges Gebäude vor. Seine Bestimmung als Studierendenwohnhaus sollte Teil einer größeren Wohnanlage für Weimarer Studierende werden. Position und Kubatur des Gebäudes sind durch einen Bebauungsplan seitdem festgelegt.

Das Studierendenwerk Thüringen, die IBA Thüringen und die Thüringer Stiftung Baukultur haben im Jahr 2016 für dieses Vorhaben ein Konzept verfasst, das einem modellhaften Gebäude, einer mehrfach nutzbaren Funktion und dem städtebaulich prominenten Standort gerecht werden soll. Mit dem ehrgeizigen Vorsatz, einen Bau mit zu 100% erfüllten guten Eigenschaften zu bekommen, wurde der Projektname »Das 100« geboren. Wohl wissend, dass jedes Bauprojekt in seinem Entstehungsprozess auch einen Kompromissweg beschreitet, ist dennoch angestrebt, im digitalen Planungs- und Bauvorlaufprozess, im optimierten Bauablauf, im Verfolgen von Klimaneutralität in Bau und Betrieb, in der Ausrichtung auf regionale Ressourcen und schließlich in der Berücksichtigung des Materials Holz einen möglichst hundertprozentigen Optimalwert zu erreichen.

Dass gleichzeitig mit dem Wettbewerbsverfahren ein Forschungsantrag im Bundesprogramm »Variowohnungen« zu diesem Projekt gestellt wurde, stattet das Projekt und vor allem auch die Themenstellung des Wettbewerbs mit einer zusätzlichen Finesse aus: Die geplanten Wohnungsangebote im Neubau sollen nicht nur studentisch nutzbar sein, sondern für eine eventuelle Weiternutzung als Generationenwohnhaus vorbereitet werden. Der Kubus ist somit hinsichtlich seiner Flexibilität, seiner Lernfähigkeit und wortwörtlich seiner nachhaltigen Tugenden ein Modellvorhaben.

Das elfköpfige Preisgericht setzte sich zwei volle Tage gründlich mit den Wettbewerbsarbeiten auseinander. Die als Preisträger ausgewählten Arbeiten sind neben der klugen Mischung der gestellten Ansprüche auch mit einer schnellen Umsetzung verbunden. Denn möglichst im Jubiläumsjahr des Bauhauses soll der Turm bereits gebaut sein, um dann zur Feier eine weitere 100 beizutragen, nämlich jene 100 Jahre, die seit der Gründung des ersten Weimarer Bauhauses vergangen sind. Die Widmung des Studierendenhauses als IBA Kandidat soll zusätzlichen Rückenwind geben, um ein Gebäude zu schaffen, das diesem Jubiläumsanlass an seinem exponierten Standort in Weimar würdig ist. 100% IBA.