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ArchitekturpreiseProjekt Staatspreis Architektur und Städtebau



„Porzellankirche“ auf der Leuchtenburg

Porzellankirche, Bild: Sebastian Reuter

Erläuterungen der Einreicher

Die bescheidene Burgkapelle des Schlosses Leuchtenburg wird nach diversen Zwischennutzungen (unter anderem als Gefängnis) durch eine elegante Geste wieder in ihrer liturgischen Funktion wahrgenommen. In der Neunutzung des Schlosses als Porzellan-Erlebniswelt entsteht die weltweit erste Porzellankirche.

Seit Oktober 2016 steht der Raum für Gottesdienste, Taufen sowie kirchliche Hochzeiten wieder zur Verfügung. Dreißig Porzellanschwerter bilden einen ovalen Vorhang. Sie filtern das Licht und spannen einen symmetrischen Raum im heterogenen Bestand auf. Der Einbau bringt Ruhe und Klarheit.

Die Schwerter sind so rotiert, dass sie gezielte Ein- und Ausblicke ermöglichen. Auf den Bänken sitzend, wirkt der Raum geschlossen und fokussiert den Blick auf den Altar. Die Akustik wird mit der Stellung der Lamellen kontrolliert und verbessert. Hinter dem Altar wird ein reflektierendes Band geschaffen, das ein unverstärktes Sprechen erlaubt. Die Porzellanoberflächen an den Innenseiten verleihen Menschlichkeit, die Aussenseiten aus poliertem Aluminium entmaterialisieren den Raum und verstärken das Tageslicht. Symmetrie, Vertikalität und Licht schaffen eine besinnliche Atmosphäre, eine Ruhepause um das Überirdische zu vermitteln.

Projektpartner: Sven-Erik Hitzer

Bauzeit:01/2016–10/2016
Hauptnutzfläche in m²:400

Anerkennung · Thüringer Staatspreis für Architektur und Städtebau 2018

Projektadresse
Dorfstraße 100, 07768 Seitenroda

Beauftragt durch
Stiftung Leuchtenburg, Seitenroda

Planungsbüro
Nau2 GmbH, Zürich / Schweiz

Verfasser:

  • Dipl. Arch. Jean-Lucien Gay
  • Arch. Michael J. Brown
Porzellankirche, Bild: Alexander Schlotter
Porzellankirche, Bild: Alexander Schlotter
Porzellankirche, Bild: Sven-Erik Hitzer
Porzellankirche, Bild: Sven-Erik Hitzer
Porzellankirche, Bild: Sven-Erik Hitzer
Porzellankirche, Bild: Sven-Erik Hitzer
Porzellankirche, Bild: Sven-Erik Hitzer
Porzellankirche, Bild: Sven-Erik Hitzer
Porzellankirche, Bild: Sven-Erik Hitzer
Porzellankirche_1_Übersichtsplan, Bild: Nau2 Zürich
Porzellankirche_2_Grundriss, Bild: Nau2 Zürich
Porzellankirche_3_Schnitt Detail Lamellen, Bild: Nau2 Zürich
Porzellankirche_4_3D Studien, Bild: Nau2 Zürich

Beurteilung des Preisgerichts

Die Verfasser*innen erzeugen mit ihrem Eingriff in den historischen Raum ein völlig neuartiges Raumerlebnis, das ohne tatsächlichen Raumabschluss auskommt. Vielmehr werden gewohnte Umfassungswände durch vertikale Lamellen aufgelöst. Diese lassen Tageslicht gezielt eintreten, den eigentlichen Raumabschluss jenseits der Lamellen spüren. Die Eingriffe in die denkmalgeschützte Baustruktur bleiben damit auf ein Minimum begrenzt. Das historische Raumgefüge bleibt erhalten und erlebbar. Gleichzeitig wird mit dem durch die Lamellen erzeugten Zylinder auf elliptischer Grundform eine Raumfigur implantiert, die dem andächtigen Besucher trotz aller Offenheit einen würdigen Sakralraum zur Verfügung stellt. Einfache Bänke komplettieren das zurückhaltende Gesamtkonzept.

Die Verwendung des Materials Porzellan als Oberfläche der Lamellen scheint im Zusammenhang mit dem musealen Thema der Burganlage sinnfällig, wenngleich der etwas direkte Marketingaspekt in der Jury kontrovers diskutiert wurde. Auch die spiegelnden Lamellen-Rückseiten führten zu Diskussionen. Während die Reminiszenz an Spiegelkabinette positiv betrachtet wurde, war der verwirrende, Unterhaltungswert des reflektierenden Einbaus im Zusammenhang mit der sakralen Nutzung in der Kritik. Als überstrapaziert wird die wiederholte Verwendung des christlichen Kreuzes betrachtet.

Ohne jede Anbiederung stellt das Projekt einen eigenständigen und dabei innovativen Beitrag für den innenräumlichen Umgang mit historischer Substanz dar. Es besticht durch Reduktion, Klarheit und konsequente Umsetzung und wird von der Jury mit einer Anerkennung gewürdigt.

Der Erläuterungstext und die Angaben zu Beteiligten/ Fotografen wurden von der Stiftung Baukultur Thüringen weder geprüft noch korrigiert oder lektoriert. Verantwortlich für den Inhalt sind die Einreicher.