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StaatspreiseProjekt Staatspreis Ingenieurleistungen



Busumsteigepunkt „Erfurter Kreuz“ in Arnstadt

Konstruktion und Bau eines Dachtragwerkes, Freibereichsgestaltung, Lichtplanung

Erläuterungen der Einreicher

Mit dem Busumsteigepunkt ist der öffentliche Nahverkehr in der Region um Arnstadt konkurrenzfähig geworden. Durch das Einfügen einer neuen zentralen Rendezvous-Haltestelle werden die ÖPNV-Richtungen Erfurt, Arnstadt, Ilmkreis und Landkreis Gotha sinnvoll verknüpft und getaktet. An jeweils zwei sich gegenüber liegenden Haltestellen treffen die Fahrtrichtungen zusammen. Die zentrale Halteinsel ermöglicht ein schnelles, komfortables und barrierefreies Ein- und Umsteigen.
Im Zusammenspiel von Ingenieurbau, Lichttechnik und Landschaftsgestaltung wurde ein öffentlicher Nahverkehrspunkt entwickelt, welcher durch eine markante Form, klare Linien und funktionale Einfachheit den öffentlichen Raum des Gewerbegebietes mit gestalten will.
Die Wartebereiche sind vollständig überdacht und barrierefrei erschlossen. Auf der Fläche wurden eine barrierefreie WC-Anlage und vier Wartezonen mit Windschutz vorgesehen. Im Zugangsbereich südlich des Bustreffs sind eine überdachte Stellfläche für Fahrräder und behindertengerechte Pkw-Stellplätze eingeordnet.
Die Überdachung erstreckt sich über die gesamte Bussteigfläche. Seitlich steht sie einen Meter über, so dass der Ein-/Ausstiegsbereich der Busse vollständig überdeckt wird. Um eine einheitliche Wirkung der Dachkonstruktion zu erreichen, folgt die Grundrissfläche des Dachs nicht den Bussteigkanten, sondern ergibt sich aus einer Ellipse mit gekürzten Enden.
Die Stützkonstruktion des Dachs besteht aus Stahlrohren, die Anordnung der Stützen im Grundriss folgt der Dachaußenkante. Die eigentliche Dachkonstruktion besteht aus gekrümmten Querträgern, die jeweils oben an ein Stützenpaar angeschlossen sind. Diese Querträger tragen ein an der Außenkante des Dachs im Traufbereich umlaufendes Stahlrohr. Über die Stahlrohre wird auf der Oberseite vollflächig eine Membran als Dachhaut gespannt. Die Entwässerung erfolgt über außen umlaufende Rinnen.
Die an der Stützkonstruktion angebrachten Strahler sorgen für die verkehrssichere Ausleuchtung des Bussteigs und erleuchten die Dachmembran. Die Beleuchtung ist mit einer Nachtabsenkung ausgestattet.
Die baumbestandenen Grünflächen um dem Haltepunkt sind so konzipiert, dass der von Westen einstreichende Wind gebrochen und verlangsamt wird. Die hierfür errichtete Bodenmodellierung entstand durch die Nutzung des vorhandenen Aushubmaterials.
Das Vorhaben wurde im vorgegebenen Rahmen innerhalb eines Jahres realisiert. Der zur Verfügung stehende Kostenrahmen wurde nicht voll ausgeschöpft.

Barrierefreiheit

In Abstimmung mit den örtlichen Behindertenverbänden und -beauftragten wurde die Anlage, gemäß DIN 32984 und nach DIN 18040 (Zwei-Sinne-Prinzip), hergestellt. Durch Vororttermine während Planung und Bau (auch mit dem Blinden- und Sehbehindertenverb. Ilmkreis –Organisation) und Fahrversuche mit dem Regionalbusbetrieb, wurde eine optimale Abstimmung des Blindenleitssystems (z.B. Einstiegsfelder, Abzweigfelder) auf örtliche Spezifika und die funktionalen Erfordernisse des Busbetriebs erreicht.

Gesamtfläche3.650 m²
überdachte Fläche 448 m²
Bushaltestellen4 Stück als Rendezvoushalt
barrierefreie WC-Anlage
barrierefreie Fahrgastinformation
überdachte Fahrradabstellplätze10 Stück
Behindertenstellplätze Pkw 2 Stück

3. Preis · Thüringer Staatspreis für Ingenieurleistungen 2017

Projektadresse
Alfred-Ley-Straße, 99310 Stadt Arnstadt

Bauherr

Stadt Arnstadt, Arnstadt

Planung

IGS Ingenieure GmbH & Co. KG, Weimar
Dipl.-Ing. Gunter Schnelle
Dr.-Ing. Christiane Ost
Dipl.-Ing. Andrea Kaps

freiraumpioniere | landschaftsarchitekten gbr, Weimar
Dipl.-Ing. Felix Schiefelbein
Dipl.-Ing. Marcus Hamberger

mbp – lichtplanende ingenieure, Weimar
Dipl.-Ing. Torsten Müller

Beurteilung des Preisgerichts

Der Beitrag „Busumsteigepunkt Erfurter Kreuz in der Alfred-Ley-Straße in Arnstadt“ stellt für den öffentlichen Nahverkehr in der Region eine optische wie auch funktionale Bereicherung dar. Die überdachte Fläche von 448 m2 schützt die Wartebereiche weitgehend gegen Regen, Wind und Schnee und beherbergt eine barrierefreie WC-Anlage. Um unangenehme Auswirkungen des meist von Westen einstreichenden Windes von vorn­herein zu reduzieren, wurden die baumbestandenen Grünflächen um den Haltepunkt in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsarchitekten so konzipiert, dass der Wind verlangsamt wird. Außerdem steht das Dach vorteilhafterweise seitlich über die Bussteigfläche um einen Meter über, so dass auch der Ein- / Ausstiegsbereich der Busse vollständig überdeckt wird.

Die Konstruktion des Daches besteht aus einer räumlichen Stahl­rohr­kon­struk­tion in Verbindung mit einer darüber gespannten, trans­lu­zen­ten Mem­bran. Dabei sind der Rand­träger im Grundriss und die Obergurte der dazu quer angeordneten Träger, auf denen die textile Dachhaut aufliegt, im Aufriss ge­krümmt. Durch diese Formgebung ist es möglich, die Membran vorzuspannen, dadurch unter anderem Flattern zu verhindern und die Beanspruchungen der Stahlteile zu minimieren.

Die Abtragung der vertikalen Lasten erfolgt über schlanke Stahlrohre, die durch unterschiedliche Schiefstellungen und biegesteife Verbindungen mit der restlichen Konstruktion außerdem in der Lage sind, horizontale Kräfte sicher und effizient abzutragen. Dadurch entsteht insgesamt eine attraktive Erscheinung, die im Kontext der Umgebung durch Form und Materialwahl Alleinstellungsmerkmale aufweist. Diese kommen insbesondere in den Abend- und Nachtstunden zur Geltung, wenn die von den Lichtplanern entwickelte wirkungsvolle Beleuchtung aktiv ist. Diese trägt außerdem zur Erhöhung der Verkehrssicherheit und des Sicherheitsgefühls der Nutzer bei. Deren Hellig­keit wird im Übrigen aus Energieersparnisgründen sinnvollerweise in den Nachtstunden abgesenkt.

Abschließend kann noch positiv erwähnt werden, dass das gesamte Vorhaben innerhalb der dafür vorgesehenen Jahresfrist realisiert werden konnte und der zur Verfügung stehende Kostenrahmen nicht voll ausgeschöpft wurde. Dies spricht für einen gelungenen Entwurf, eine professionelle Detailplanung durch die drei beteiligen Weimarer Büros IGS, freiraumpioniere, mbp und eine gut abgestimmte Zusammenarbeit untereinander und mit dem Bauherrn, der Stadt Arnstadt.

Der Erläuterungstext und die Angaben zu Beteiligten/ Fotografen wurden von der Stiftung Baukultur Thüringen weder geprüft noch korrigiert oder lektoriert. Verantwortlich für den Inhalt sind die Einreicher.