Waldkliniken

Neubau, Eisenberg, 2020
Engere Wahl, Thüringer Staatspreis für Baukultur 2021

Aus der Projektbeschreibung: 

Gemeinsam mit Matteo Thun & Partners hat HDR Germany den Neubau der Waldkliniken in Eisenberg geplant/realisiert. Ziel war es, in gestalterischer, konzeptioneller und funktionaler Weise einen durchgängig gestalteten und erlebbaren Klinik-Campus zu schaffen.
Durch die starke Betonung des Hotelcharakters unterscheidet sich die Quali- tät der Patientenzimmer deutlich vom üblichen Standard. Es gibt v.a. Zweibettzimmer, deren Z-förmige Geometrie jedem Patienten einen persönlichen Raum zuordnet. Das Arrangement im Inneren bietet die Möglichkeit der Interaktion und Privatsphäre. Patienten können in der lichtdurchfluteten Piazza zimmerübergreifend essen und kommunizieren. Aber auch die Bedarfe des Personals wurden beachtet: von kurzen Wegen und kompakten Arbeitssituationen bis hin zum Einkaufskorb auf dem Heim- weg.
Die Waldkliniken Eisenberg gehen neue Wege im Sinne der Nachhaltigkeit im Krankenhausbau. Patienten, Besucher und Mitarbeiter erleben nicht nur räumlich den Unterschied zum üblichen Standard, sondern auch in der Materialwahl. Hier wird der Wald buchstäblich ins Haus geholt. Viele der Oberflächen und Fußböden sind aus Holz.
Auch baukonstruktiv erhält das Holz eine tragende Rolle. Der Neubau wur- de in Holz-Beton-Hybridbauweise errichtet. Die Stahlbetonskelettkonstruk- tion, nötig aus Brandschutzgründen und wegen der großen Spannweiten im Krankenhausbau, wurde auf ein Minimum reduziert. Ausfachungen, z. B. der Außenwände in den Obergeschossen, wurden als Holzrahmenkonstruktion ausgeführt und mit Holz verkleidet. Dadurch können ökologische Vorteile wie die Verwendung nachwachsender Rohstoffe, Verbesserung der C02 Bilanz, und ökonomische wie Lebenszykluskosten und kürzere Bauzeiten durch Vor- fertigung genutzt werden. Die Betonkernaktivierung der Betonkonstruktion dient nachhaltig der Temperaturregelung der Bettenzimmer.

Jurybeurteilung 

Der Anbau an das Waldkrankenhaus Eisenberg ist aus verschiedenen Gründen eine architektonische Ausnahmeleistung. Wir könnten sagen: Es ist eine runde Architektur, rund im Sinne von kreisförmig, also ohne Ecken und rund, wie eine gelungene Leistung.
Wenn man hier zu Gast ist, um sich zu kurieren, befindet man sich gefühlt, wie es der Name des Krankenhauses erwarten lässt, im Wald, obwohl sich das Gebäude eigentlich nur am Waldrand befindet. Wie kommt das zustande? Im räumlichen Feld des Waldes, aufgespannt durch das horizontale Aufeinanderfolgen eines Stammes nach dem anderen, fließt man zwischen den Stämmen, jede Richtung hat das gleiche Poten- tial. In diesem Raumtypus wird von Matteo Thun ein architektonischer Körper platziert, ein Körper, welcher die gleiche Geometrie der Baumstämme des ihn umgebenden Waldes besitzt. Er wird nicht als ein fremdes Hindernis wahrgenommen, nicht als Gewalt einer Ecke oder einer geraden Mauer, sondern besteht aus einer Rundung, als ob man im Wald plötzlich auf einen großen Stein, Felsen oder den Stumpf eines gigantischen Baumes stößt. Man fließt um das Gebäude, und das Gebäude wird Teil des Waldes.
Anstatt eines Aufenthalts im kalten Weiß des Neonlichtes mit Blick auf die Tristesse eines weiteren anonymen Krankenhausanbaus, hat man hier Licht, Luft, ist umgeben von hochwertigen Materialien und hat eine fabulöse Aussicht auf die bewaldete Land- schaft Thüringens. Dieser Blick in die Natur gibt die Möglichkeit in einem schweren Moment die Schönheit unseres Planeten und sich selbst zu erblicken. Er soll das Immunsystem stärken und den Bedarf für Schmerzmittel mindern.
Es bleibt zu hoffen, dass Thüringen zukünftig nicht einzig als Ort der Burgen und
der Klassik bekannt ist, sondern auch wieder als Region der Bäder und Kurorte wahr- genommen wird.

Planung

• Matteo Thun & Partners, Mailand, Italien
• HDR Germany, Leipzig

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