Kindergarten „Holzwürmchen“

Neubau, Weimar, 2018
Sonderpreis Holzbau, Thüringer Staatspreis für Architektur und Städtebau 2018

Aus der Projektbeschreibung:

Nach Durchführung eines Städtebauwettbewerbs zum ehemaligen Schlachthofgebiet im Norden von Weimar wurde im vorderen Teil des Gesamtgebietes (Rosenthalstraße / Ecke Schlacht- hofstraße) ein Kindergarten geplant. Die Hufeland-Träger-Gesellschaft Weimar hatte das Grundstück erworben, um dort eine Kindertagesstätte für 99 Kindergartenkinder mit einem Krippenbereich für 22 Kinder in massiver Holzbauweise zu errichten.
Der Baukörper besteht aus einer U-förmigen Anlage, welche einen Hof nach Süden zur Gartenseite bildet. Die Platzseite ist im Mittelteil des Gebäudes im Erdgeschossbereich geöffnet, um einen Bezug zu dem neuen öffentlichen Platz herzustellen. Im Erdgeschoss befinden sich die Gemeinschaftsfunktionen, wie Speise- und Begegnungsraum, Garderoben, Sanitäranlagen, die Verwaltung der Einrichtung sowie der Krippenbereich. Im Obergeschoss sind die Funktionsräume der Kindergartenkinder angeordnet. Die Erschließung erfolgt über zwei separate Zugänge für Kita und Krippe. Die innere Erschließung wird über einen zweigeschossigen Spielflur (Halle) realisiert, von dem die einzelnen Gruppenbereiche abgehen.
Barrierefreiheit: Aufgrund der Vorgaben des Bebauungsplans wurde ein zweigeschossiges Gebäude geplant. Durch den Einbau eines barrierefreien Aufzugs konnte jedoch die Zugänglichkeit des Obergeschosses für Menschen mit körperlichen Einschränkungen sichergestellt werden. Die Übergänge in den Freibereich wurden schwellenlos ausgeführt. Im Erdgeschoss wurde ein barrierefreies WC eingebaut.
Baukulturelle Aspekte: Der Neubau liegt im Denkmalensemble „Ehemaliger Schlachthof“ in Weimar. Aufgabe war es, für ein zeitgemäßes pädagogisches Konzept ein nachhaltiges, modernes Gebäude zu entwerfen. Dabei musste die denkmalpflegerisch wertvolle Umgebung mit berücksichtigt werden, um das Ensemble nicht zu stören.
Holzbau: Zum Einsatz kam das Massivholzmauer-System mit 34 Zentimeter dicken Außenwänden und tragenden Bauteilen (Träger und Stützen) aus Baubuche. Die Decken sind als Brettstapeldecken ausgeführt. Zur Aussteifung des Gebäudes wurden drei Betonkerne errichtet. Die statischen Berechnungen hat das Büro Dr. Hunger aus Weimar ausgeführt. Das gewählte System hat einen hohen Vorfertigungsgrad der Bauelemente Wand und Decke und somit eine vergleichsweise geringe Bauzeit vor Ort. Der Ausbau des Gebäudes wurde vorwiegend mit ökologischen Baustoffen durchgeführt, um einen gesunden Ort für die Kinder zu schaffen.

Aus der Jurybeurteilung:

Dieser Kindergarten beweist auf außerordentliche Weise die ökologischen, sozialen und ästhetischen Chancen des modernen Holzbaus.
Städtebaulich integriert in das in Entwicklung befindliche Areal des alten Schlachthofs in Weimar setzt der neue Kindergarten „Holzwürmchen“ am Eingang zu dem Gebiet einen klaren und programmatischen Akzent mit einem wohlverstandenen ökologischen Ansatz, zumal für Kinder. Das Gebäude, geplant für 100 Kindergartenplätze und einen Krippenbereich für 22 Kinder, ist in einer U-förmigen Anlage organisiert, wobei sich die große Eingangsfront zum Hauptplatz orientiert und diesen auch räumlich fasst, während sich der offene Hofbereich nach Süden und zum Freigelände hin öffnet. Ein durchgehendes Pultdach fasst die Anlage zusammen und verleiht ihr eine gewisse Skulpturalität und Bewegtheit. So plausibel wie diese städtebauliche Anordnung erweist sich auch die Binnengliederung des Hauses. Im Erdgeschoss befinden sich die Gemeinschaftsräume, wie etwa der Speiseraum, Begegnungsräume, Garderoben, Sanitäranlagen, Verwaltung und auch der Krippenbereich. Die Räume des Kindergartens, die sich zum Teil auf Dachterrassen öffnen, befinden sich im Obergeschoss. Die Erschließung erfolgt über separate Zugänge für die Kita und die Krippe, für die Kita vom Hauptplatz aus, für die Krippe an der Westseite, beide Eingänge klar markiert und sichtbar. Besonders attraktiv ist das Konzept der inneren Erschließung über einen Raum, den die Autoren als „zweigeschossigen Spielflur“ beschreiben.
Bis auf drei notwendige Aussteifungskerne aus Beton haben wir einen kompletten Bau in Massivholzmauerbauweise und mit Brettstapeldecken, damit auch einen relativ hohen Vorfertigungsgrad der Elemente.
Die Jury hebt besonders die Art und Weise hervor, in der das Holz als Material für die Konstitution der Atmosphäre und des Milieus des Kindergartens genutzt wird. Mit dem Holz wird sehr subtil umgegangen – zu sehen etwa an der feinen Gliederung der Verschalung der Außenhaut, aber auch durch den Gebrauch der Farbe. Das Orange akzentuiert den Gesamtauftritt des Hauses, indem Fenstergewände, Fenstergliederungen, Eingänge, auch Brüstungen entsprechend farblich gefasst sind. Insgesamt wird so bei großer Einfachheit des Hauses zugleich eine hohe Lebendigkeit erreicht. Dieser Kindergarten beweist wiederum, dass der Holzbau sich eben nicht in einer groben Rustikalität erschöpft und er zeigt, dass ein schönes Ambiente für Kinder gerade dann entstehen kann, wenn auf die vorgeblichen Klischees der Kindhaftigkeit verzichtet wird.
Die Freiflächengestaltung hingegen ist ausbaufähig und bietet noch genügend Raum für eine adäquate Gestaltung.
Insgesamt würdigt die Jury dieses Projekt mit dem Sonderpreis Holzbau. Es ist ein vorbildlicher Beitrag für die wichtige Bauaufgabe Kindergarten und stellt einen beispielhaften Holzbau dar.

Planung

raum 33 | architekten. Jörg Weber & Dirk Hädicke PartG, Weimar

  • Dipl.-Ing. Architekt Jörg Weber

Auftraggeberin

Hufeland-Träger-Gesellschaft Weimar mbH

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