Gemeindezentrum

Erweiterungsbau, Bad Berka, 2020
Engere Wahl, Thüringer Staatspreis für Baukultur 2021

Aus der Projektbeschreibung: 

Das Projekt

Durch Hinzufügen eines funktionalen, modernen Baukörpers wurde das historische Ensemble der Kirchgemeinde Bad Berka – bestehend aus Kirche, Pfarrhaus und Innenhof – zu einem überregionalen Gemeindezentrum erweitert. Ziel des zeitgenössischen Eingriffs war, die erhaltene Substanz behutsam zu bereinigen, zu öffnen und weiterzubauen.

Die Idee

Der vormals komplett umbaute Raum des Innenhofs sollte zur Ilm hin geöffnet werden, zugleich war es wichtig, die Geschichte dieses Ortes zu respektieren und das denkmalgeschützte historische Areal in seiner Gesamtwirkung nicht zu beeinträchtigen. Das gelang durch eine behutsame Transformation der vorhandenen Mauersteine des einstigen Zisterzienserinnen-Klosters in den Neubau des Gemeindesaals.

Die Umsetzung

Eine tragende Konstruktion aus Betonfertigteilen in Verbindung mit den Stützmauern der einstigen Klausur bzw. des Klostergartens aus ortstypischem rötlichen Sandstein verleiht dem Neubau den passenden Rahmen. Die Steine wurden mittels Translozierung in den Neubau und in die Neugestaltung der Nordseite des Pfarrhofes einbezogen.
Ein funktionales Foyer erlaubt Besuchern den Zugang zu allen Räumen des Gebäudes, das in Gemeinderaum und Nebenräume nebst angeschlossenem Küchenbereich aufgeteilt wurde. Mit dem neuen Gemeindesaal entstand ein vielfältig nutzbarer Raum für Versammlungen, Konzerte, Musikproben, Christenlehre und vielem mehr. Er bietet nicht nur rund 100 Personen Platz sondern auch einen freien Blick auf die Ilm und die Umgebung von Bad Berka, etwa den Paulinenturm.

Alles ist im Fluss

Die großzügige Öffnung der Fassade zum Pfarrhof mit vorgelagerter Terrasse bringt einen fließenden Übergang zwischen Gemeindesaal, Garten mit Pfarrhaus und Ilmpromenade. Die Fusion von Gebäude und Pfarrgarten erlaubt nun Veranstaltungen, die sowohl innen wie außen stattfinden können.
Die zurückhaltende Materialität des Außenraumes rundet den Ort zu einem attraktiven Gesamtensemble ab.

Jurybeurteilung

Baukultur ist nicht nur an überregional gefeierten Leuchtturmprojekten zu messen. Gerade im unspektakulären Alltag, oft am sprichwörtlichen Wegesrand findet sie zu ihrer eigentlichen Wirkung. Dort soll sie entdeckt, gefördert, gefeiert werden.
Wie selbst mit bescheidensten Mitteln aus einem schwierigen Bauplatz ein hinreißend schöner Ort in der Landschaft werden kann, führen B19 Architekten aus Weimar mit ihrem Erweiterungsbau für die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Bad Berka vor. Sie ergänzten das gegebene Ensemble aus Kirche, Pfarrhaus und Pfarrhof um einen einfachen Mehrzwecksaal mit verdeckt integriertem Küchenbereich. Die wieder- verwendeten Quadersteine eines früher hier vorhandenen Klosters geben dem neu- gefassten Pfarrhof geschichtliche Tiefe, betten aber auch die zum Ilm-Wanderweg ragende Fensterfront des Saales sensibel in das romantische Landschaftsbild ein. Die große Sorgfalt, mit der schlichte Betonfertigteile zu einem gut proportionierten Traggerüst montiert wurden, setzt sich in den Innenräumen fort. Hier huldigt man in geradezu Mies’scher Manier einem „less is more“. Belohnt wird die ästhetische Strenge mit wundervollen Ausblicken – in den meditativen Pfarrhof, vor allem jedoch auf die reiche Dächerlandschaft am anderen Ufer der Ilm. Die besinnliche Klausur wie der Alltag des beliebten Kurortes können so, je nach Bedarf, zur Kulisse für Veranstaltungen des neuen Gemeindezentrums werden.
Diese Erlebnisqualitäten verdanken sich einer einfühlsamen Entwurfsidee, aber auch großer Sorgfalt bei der Bauausführung, weshalb das Gemeindezentrum Bad Berka mit einer Medaille für Baukultur in der Kategorie Architektur gewürdigt wird.

Planung

B19 ARCHITEKTEN BDA, Weimar

Auftraggeberin

Ev. Luth. Kirchengemeinde Bad Berka

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