Gartendenkmal „Herressener Promenade“

Parkanlage, Apolda, 2016
Anerkennung, Thüringer Staatspreis für Architektur und Städtebau 2018

Aus der Projektbeschreibung:

Das Gartendenkmal „Herressener Promenade“ ist eine mit der Stadt gewachsene historische Grünanlage, die identitätsstiftend ist und ihrem ursprünglichen Sinne gemäß heute noch eine wichtige rekreative Funktion hat. Der Park wurde Ende des 19. Jahrhunderts angelegt. Zunächst wurden die Ufer des nahegelegenen Herressener Bachs befestigt und eine erste Allee gepflanzt. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Anlage sukzessive erweitert und eine erste Wasserfläche mit dem Lohteich angelegt. Nach dem Ersten Weltkrieg erfuhr der Park eine weitere Vergrößerung mit dem südlich angrenzenden Friedensteich.
Das geringe Kostenbudget erforderte es, genau auszuloten, mit welchen Maßnahmen eine Wiederherstellung und gleichzeitig eine behutsame Erneuerung der Gartenanlage gelingen kann. Um den einstigen Grundcharakter der Anlage wieder stärker wahrzunehmen, wurden störender Aufwuchs entfernt, die Wegebreiten angepasst und lückige Baumreihen ergänzt. Moderne Ergänzungen des historischen Parks erfolgten hingegen zurückhaltend und punktuell. Sie sind durch eine klare Formensprache erkennbar, die sich deutlich von den landschaftlich geschwungenen Wegen und Flächen des Parks ablesen lässt.
In der Konzeption der Parkanlage spiegelt sich der Übergang von der Stadt zur Landschaft wider. Der nördliche Parkbereich bildet den intensiveren Teil mit neuen Wegeverbindungen, einem Spielbereich und einer urbanen Promenadenkante am Lohteich. Zusätzlich sorgen ein neuer Kiosk und ein Bootsverleih für eine Belebung dieses Parkbereichs. Nach Süden wird der Park immer landschaftlicher, der Friedensteich ist umgeben von Schilf- und Röhricht. Die Teichflächen wurden entschlammt, die Uferlinien der Gewässer herausgearbeitet und mit sanften Böschungen natürlicher gestaltet. Um den Friedensteich mehr in Szene zu setzen, wurde eine Passerelle entlang der westlichen Uferzone angelegt. Weite Wiesenflächen südlich des Friedensteiches öffnen sich zur Landschaft und werden durch eine große Rasenskulptur kontrastiert, die als auffällige Landmarke fungiert. Von hier ist ein weiter Blick auf die hügelige Land- schaft Apoldas möglich. Der Park gewinnt durch die Neugestaltung sinnvoll nutzbare Flächen und die umliegenden Stadt- gebiete werden durch den Park besser mit der Kernstadt verbunden. Zwei zusätzliche Brücken über den Herressener Bach intensivieren die Verbindung zwischen dem östlich gelegenen Sport- und Freizeitbereich und dem Bürgerpark.

Aus der Jurybeurteilung:

Das Gartendenkmal „Herressener Promenade“ in Apolda ist eine historische Grünanlage aus dem 19. Jahrhundert, die im Zuge der 4. Landesgartenschau in Thüringen behutsam erneuert und in ihrer wichtigen rekreativen Funktion innerhalb des kernstädtischen Freiraumnetzes gestärkt wurde.
Durch punktuelle Eingriffe erhielt die historische Parkanlage zeitgemäße Ergänzungen, welche die Erfahrbarkeit und Nutz- barkeit der Gartenanlage unterstützen. Das Parkwegesystem wurde in angemessener Art erneuert und erweitert. Ergänzungen setzen sich durch eine eigenständige, aber wohltuend zurückhaltende Formensprache von den historischen Wegestrukturen erkennbar ab und eröffnen dabei neue Raum- und Blickbeziehungen. In Verbindung zur Innenstadt entstand am Lohteich eine intensiv gestaltete urbane Promenadenkante. Die stärker landschaftlich und extensiv gestaltete Uferzone des Friedensteiches wird durch Stegkonstruktionen erschlossen. Die Passerelle, ein Holzsteg, der durch die Röhrichtzone des Sees führt, sowie der gegenüberliegende Blickpunkt der Seerosenterrasse setzen den Uferbereich unaufgeregt aber wirkungsvoll in Szene. Anschließende weite Wiesenflächen vermitteln in der Übergangszone zur Landschaft. Durch zwei neue Fußgängerbrücken wird der angrenzende Sport- und Freizeitbereich sinnvoll mit der Parkanlage und der Innenstadt verbunden.
Die Jury würdigt die behutsame Erneuerung einer historischen Gartenanlage mit gezielten und angemessenen landschaftsarchitektonischen Eingriffen in Vegetations- und Wegestruktur. Die Abstufung in einen urbaneren Uferbereich mit direkter Anbindung zur Innenstadt am Lohteich und eine landschaftliche Uferzone am Friedensteich sowie extensiven Wiesenflächen im Übergangsbereich zur Landschaft arbeitet unterschiedliche und abwechslungsreiche Raumcharaktere innerhalb der bestehenden Parkanlage deutlich heraus und setzt diese gestalterisch selbstverständlich in Bezug zum stadträumlichen Kontext. Die zeitgemäße Erneuerung der historischen Gartenanlage erschließt neue Nutzungs- und Raumqualitäten und stärkt in der direkten Verbindung mit der Kernstadt die Freiraumqualität der Stadt Apolda nachhaltig. Das Projekt wird mit einer Anerkennung ausgezeichnet.

Planung

Marcel Adam Landschaftsarchitekten BDLA, Potsdam

  • Dipl.-Ing. (FH) Landschaftsarchitekt Marcel Adam
  • Dipl.-Ing. Landschaftsarchitektin Veronika von Bechtolsheim
  • Dipl.-Ing. Landschaftsarchitekt Andreas Ziegeler

Auftraggeberin 

Stadt Apolda

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