Deutsches Spielzeugmuseum

Erweiterung und Neugestaltung , Sonneberg, 2014
Engere Wahl, Thüringer Staatspreis für Architektur und Städtebau 2016; Anerkennung, Thüringer Preis zur Förderung der Baukultur 2014

Aus der Projektbeschreibung:

Das Deutsche Spielzeugmuseum wurde 1901 gegründet. Seine Lokalisierung in dem markanten, neobarocken Gebäude von Albert Schmidt belegt den hohen Stellenwert, den man der Einrichtung beigemessen hat. Die Erweiterung und Neugestaltung des Museums ist auch heute ein für die Stadt und Region einzigartiges kulturpolitisches Vorhaben. Neben der Sanierung des Museumsgebäudes umfasst das Projekt die Einbindung weiterer denkmalgeschützter Gebäude und die Errichtung eines Erweiterungsneubaus, der das Ensemble barrierefrei erschließt. Wichtige Eckpunkte der Aufgabenstellung sind die Optimierung der Funktionsabläufe sowie die Ermöglichung eines energieökonomischen, personalsparenden Museumsbetriebes. Im Januar 2014 wurde zunächst der Erweiterungsneubau eröffnet. Durch seine kubistische Architektur macht er trotz des zurückgesetzten Standortes auf sich aufmerksam und wird als neues Eingangsbauwerk erkennbar. In dem Neubau wurden die Voraussetzungen zur Präsentation der Thüringer Kirmes geschaffen – eines Schauobjektes, das 1910 zur Weltausstellung in Brüssel mit einem Grand Prix bedacht wurde. Wichtig für das Gesamtprojekt war die Entwicklung eines Ausstellungskonzeptes, dessen Umsetzung minimale Eingriffe in die bestehenden Räume erfordert und den schonenden Umgang mit der denkmalgeschützten Bausubstanz ermöglicht. So wurde entschieden, das große Volumen der Thüringer Kirmes im Neubau bereitzustellen. Auch neue Erschließungsbauteile und aufwendige Installationen wurden im Neubau realisiert. Die technische Klimatisierung des Museums erfolgte in reduzierter Form. Ein System der Betonkernaktivierung dient zur Heizung und Kühlung des Neubaus. Die Präsentation sensibler Exponate erfolgt in eigens entwickelten, selbsttemperierenden Vitrinen – ein weiterer Beitrag, um die Forderung nach Technikreduzierung und Minimierung der Betriebskosten zu erfüllen. Mit der Errichtung des Erweiterungsneubaus wurde ein wichtigerSchritt zur Umsetzung eines nachhaltigen Museumsensembles getan.

Aus der Jurybeurteilung:

Für das Herzstück der neuen Ausstellung des Deutschen Spielzeugmuseums in Sonneberg schufen Junk & Reich Architekten BDA aus Weimar einen fulminanten Erweiterungsbau. Die Exposition des Dioramas „Thüringer Kirmes“, mit dem die Sonneberger Spielzeugmacher 1910 einen Grand Prix auf der Weltausstellung in Brüssel gewannen, steht im Mittelpunkt des Nutzungsgefüges und bildet den Auftakt für die Ausstellung von über 100 000 Exponaten weltweit gesammelter Spielzeuge. Dank einer überregionalen Spendenbewegung unter dem Motto „Kulturgut in Not“ gelang es, das Diorama zu restaurieren und den Neubau dafür zu initiieren. Der zwischen den beiden 1901 für die ehemalige Industrieund Gewerbeschule des Meininger Oberlandes errichteten historischen Gebäude wie eine Klammer etwas zurückgesetzt an einer Hangkante positionierte Neubau bildet als logistischer Verbinder zugleich den neuen Haupteingang mit zeitgemäßen Serviceeinrichtungen. Damit verfügt das weltweit einmalige Museum über ein skulptural anmutendes Aufmerksamkeitszeichen, das über seine bloße Funktionserfüllung hinaus ein bemerkenswertes städtebauliches Privileg verkörpert. Die kompakte Baumassenkomposition mit ihrer beachtlich aufstrebenden Faltung, die sich teilweise überlagernden Schichten flächig vergegenständlichter Gestaltungsmittel bis hin zur Material- und Farbwahl interpretieren mit hoher baukünstlerischer Disziplin die umgebende Gebäude- und Dachlandschaft mit dem weithin prägenden Erscheinungsbild des regionalen Baumaterials Schiefer. Die Konzentration auf die Wirkung großer Flächen und extravaganter Entfaltung der Kubatur darf als Ausrufezeichen verstanden werden für das, was darin enthalten ist, die große Welt der kleinen Spielzeuge. Im Kontrast zur schieferfarbenen dunklen Hülle aus linear schräg angebrachten Metalltafeln überrascht das Innere mit Weiß auf Boden, Wand und Decke. Der äußerlich erzeugte Eindruck einer begehbaren Plastik wird dadurch noch verstärkt und selbst von baukünstlerischen Laien – und vor allem von Kindern – leicht rezipiert. Die freie äußere Form nutzt das Innere zur spielerischen Entfaltung fließender Räume und abwechslungsreicher Formen der Verkehrswege. Immer wieder lassen sich Blickbeziehungen entdecken. Tageslicht wird konzentriert eingelassen. Die Raumproportionen wirken harmonisch. Die Wegeführung erscheint mit Betreten des Hauses einfach und übersichtlich.

Die Einreicher heben den Planungs- und Realisierungsprozess als baukulturelles Merkmal der Entfaltung von Potentialen der Region hervor, die sich „anknüpfend an einstigen Weltruf wieder neu definiert“. Mit dem ersten baulichen Schritt konnte Mitte 2014 die „neue Mitte“ des Museums eingeweiht werden. Der Neubau stellt den ersten Bauabschnitt einer ganzheitlichen musealen Umgestaltung dar. Ebenso bedarf der Freiraum noch funktioneller Anreicherung und gestalterischer Bewältigung. Auf die weiteren Bauabschnitte des Projekts, getragen vom Landkreis und der StadtSonneberg, darf man gespannt sein.

Planung

  • Junk & Reich Architekten BDA Planungsgesellschaft mbH, Weimar
  • Holzer Kobler Architekturen GmbH, Berlin

Bauherr

Landkreis Sonneberg

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