„Wohnen mit Weitblick“, Friedensberg-Terrassen

Neubau Wohngebäude, Jena, 2016
Anerkennung Barrierefreiheit, Thüringer Staatspreis für Architektur und Städtebau 2018

Aus der Projektbeschreibung: 

Die Friedensberg-Terrassen sind ein modernes Wohngebiet für Familien, Singles und Senioren. Das Gelände einer ehemaligen Gartenanlage, das temporär brach lag, wurde zur Schaffung neuen Wohnraums herangezogen. Ziel des Bauherrn
war es, Mietwohnungsbau mit einem innovativen städtebaulichen, sozialen und wirtschaftlichen Konzept umzusetzen.
Die kompakte Wohnbebauung definiert den bislang fehlenden Abschluss der Stadt hin zur Landschaft. Die Häuser wurden mit 90-Grad-Ausrichtung zum Hang und in direkter Blickbeziehung zur Innenstadt angeordnet. Die zentrale Wohnstraße – die „Promenade“ – greift die Blickachse zum städtischen Wahrzeichen, dem Jentower, auf. An ihrem östlichen Ende wurden die Gebäude torähnlich gesetzt, um diese Blickbeziehung zu betonen. Durch die Ausbildung von Terrassen wurden die Eingriffe in den Hang reduziert und die Bebauung harmonisch in den natürlichen Geländeverlauf eingefügt. Die Ost-West-Ausrichtung sämtlicher Wohneinheiten ermöglicht die Einbeziehung der „grünen“ Umgebung und die ganztägige Besonnung der Wohnungen. Aufgrund der Höhenstaffelung der Gebäude bietet sich jeder Wohneinheit ein unverstellbarer Ausblick. Unter Ausnutzung der Hanglage wurde eine Tiefgarage realisiert. Das Gebietsinnere ist verkehrsberuhigt. Hier werden öffentliche, halböffentliche und private Freiräume mit Aufenthaltsqualität angeboten: Soziale Mitte ist die „Promenade“, die durch einen Bouleplatz belebt wird. Den Übergang zu den Wohngebäuden bilden halböffentliche Gemeinschaftshöfe mit Spiel- und Ruheplätzen. Gärten, Balkone, Loggien und Dachterrassen stehen als private Freiräume zur Verfügung. Die Gebäude weisen eine sehr effiziente Grundrissstruktur auf, die zum einen das „Durchwohnen“ in Ost-West-Richtung und zum anderen die leicht umsetzbare Veränderung der Wohneinheiten in Gebäudelängsrichtung ermöglicht. Das statische System lässt Grundrissänderungen ohne große Eingriffe in die tragende Bausubstanz zu. Jedes Haus der Wohnanlage spiegelt durch die Mischung von kleinen und großen Wohnungen den Leitgedanken des Mehrgenerationenwohnens wider. Die Auswahl der Materialien orientiert sich an regionalen Bezügen, Dauerhaftigkeit und Ökologie. Putzfas- saden im Farbton des regionalen Kalksteins und das ortstypische Motiv der Gartenmauer unterstreichen dies. Ausladende Loggien und eingeschnittene Terrassen geben den Häusern Individualität, ihre Farbglasbrüstungen beleben die Fassadenstruktur und verleihen den Häusern eine markante Optik. Barrierefreiheit: Die in den Hang integrierte Tiefgarage verfügt über einen barrierefreien Ausgang (Aufzug), sodass trotz topografischer Erschwernisse die zentrale „Promenade“ und ein Teil der Gebäude barrierefrei zugänglich sind. Behindertengerechte Stellplätze werden auch in direkter Nähe der barrierefreien, rollstuhlgerechten Wohneinheiten angeboten. 20 Prozent der Wohneinheiten sind barrierefrei erreichbar.
Baukulturelle Aspekte: Durch die Umsetzung eines innovativen Energiekonzeptes kann der laufende Energiebedarf der Wohnanlage niedriggehalten werden. Sie wird über ein zentrales Blockheizkraftwerk (BHKW) mittels Nahwärmenetz versorgt. Alle Wohnungen verfügen über dezentrale Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung sowie dreifachverglaste Fenster. Die gesamte Außenbeleuchtung (LED) wird über das BHKW betrieben. Die Gebäude erreichen den Standard „Effizienzhaus 70“. Zur Förderung von E-Mobilität werden Ladestationen angeboten.

Aus der Jurybeurteilung:

Die Frage, wie wir in unseren Städten in angemessener, verdichteter und zugleich durchgrünter Weise die Nachfrage nach Wohnraum erfüllen können, stellt eine zentrale städtebauliche und architektonische Herausforderung dar, der sich das Projekt „Wohnen mit Weitblick“ in Jena stellt.
Das Wohnquartier auf dem Friedensberg besticht dabei durch die genaue und kunstvolle Austarierung zwischen städtischer Dichte und landschaftlicher Offenheit. Dies gelingt, weil die Baukörper in diagonaler Abstaffelung zum Hang die Grundstruktur der Umgebung aufgreifen und dabei die Topografie auf selbstverständliche Weise nachzeichnen. Es entstehen gut proportionierte, jeweils einer Hauseinheit zugeordnete Terrassen als Gärten und Zugangshöfe. Gleichzeitig profitieren die Wohnungen vom dem unverstellbaren Blick ins Tal und der ganztägigen Besonnung durch die Ost-West-Orientierung. Das Spiel mit der Topografie wird durch Gartenmauern, verwinkelte Treppen, gestaffelte Baukörper und die „Nuancen der Recht- winkligkeit“ an jeder Stelle spürbar.
Die zentrale „Promenade“ verbindet die langgestreckten Baukörper untereinander und mit der in den Hang geschobenen Tiefgarage. Mit ihr entsteht als Pendant zu den Terrassen ein zentraler Treffpunkt für die vielfältigen Bewohnergruppen aus Familien, Singles und Senioren, mit dessen Hilfe 20 Prozent der Wohnungen trotz der Hanglage barrierefrei erschlossen werden können. Die „Promenade“ hat die Anmutung einer historischen Gasse mediterraner Orte. Dass es dem Quartier in seiner durchgehend zeitgenössischen Materialität und Architektursprache mit der angebotenen Barrierefreiheit gelingt, diesen starken Ortscharakter zu erzeugen und an das Stadtbild und die typischen historischen Merkmale Jenas wie den örtlichen Kalkstein, die landschaftliche Lage und den Umgang mit der Topografie anzuschließen, ist beispielgebend. Die Jury würdigt dieses Projekt mit einer Anerkennung bezüglich der Barrierefreiheit beim Thüringer Staatspreis 2018.

Planung

Junk & Reich Architekten BDA Planungsgesellschaft mbH, Weimar

  • Dipl.-Ing. Architekt Ulrich Junk

stock landschaftsarchitekten bdla, Jena

  • Dipl.-Ing. Landschaftsarchitekt Wolfram Stock

Auftraggeber

jenawohnen GmbH, Jena

Diese Seite teilen

Unsere Profile in sozialen Netzwerken