„Porzellankirche“ auf der Leuchtenburg

Neugestaltung Burgkapelle , Seitenroda, 2016
Anerkennung, Thüringer Staatspreis für Architektur und Städtebau 2018

Aus der Projektbeschreibung: 

Die bescheidene Burgkapelle des Schlosses Leuchtenburg wird nach diversen Zwischennutzungen (unter anderem als Gefäng-nis) durch eine elegante Geste wieder in ihrer liturgischen Funk-tion wahrgenommen. In der Neunutzung des Schlosses als Por-zellan-Erlebniswelt entsteht die weltweit erste Porzellan kirche.Seit Oktober 2016 steht der Raum für Gottesdienste, Taufen sowie kirchliche Hochzeiten wieder zur Verfügung. Dreißig Por-zellanschwerter bilden einen ovalen Vorhang. Sie filtern das Licht und spannen einen symmetrischen Raum im heterogenen Bestand auf. Der Einbau bringt Ruhe und Klarheit. Die Schwer-ter sind so rotiert, dass sie gezielte Ein- und Ausblicke ermögli-chen. Auf den Bänken sitzend, wirkt der Raum geschlossen und fokussiert den Blick auf den Altar. Die Akustik wird mit der Stel-lung der Lamellen kontrolliert und verbessert. Hinter dem Altar wird ein reflektierendes Band geschaffen, das ein unverstärktes Sprechen erlaubt. Die Porzellanoberflächen an den Innenseiten verleihen Menschlichkeit, die Außenseiten aus poliertem Alu-minium entmaterialisieren den Raum und verstärken das Tages-licht. Symmetrie, Vertikalität und Licht schaffen eine besinn-liche Atmosphäre, eine Ruhepause um das Überirdische zu ver-mitteln.

Aus der Jurybeurteilung:

Die Verfasser*innen erzeugen mit ihrem Eingriff in den histori-schen Raum ein völlig neuartiges Raumerlebnis, das ohne tat sächlichen Raumabschluss auskommt. Vielmehr werden gewohnte Umfassungswände durch vertikale Lamellen auf-gelöst. Diese lassen Tageslicht gezielt eintreten, den eigent-lichen Raumabschluss jenseits der Lamellen spüren. Die Eingriffe in die denkmalgeschützte Baustruktur bleiben damit auf ein Minimum begrenzt. Das historische Raumgefüge bleibt erhalten und erlebbar. Gleichzeitig wird mit dem durch die Lamellen erzeugten Zylinder auf elliptischer Grundform eine Raumfigur implantiert, die dem andächtigen Besucher trotz aller Offenheit einen würdigen Sakralraum zur Verfügung stellt. Einfache Bänke komplettieren das zurückhaltende Gesamt-konzept.Die Verwendung des Materials Porzellan als Oberfläche der Lamellen scheint im Zusammenhang mit dem musealen Thema der Burganlage sinnfällig, wenngleich der etwas direkte Marke-tingaspekt in der Jury kontrovers diskutiert wurde. Auch die spiegelnden Lamellen-Rückseiten führten zu Diskussionen. Während die Reminiszenz an Spiegelkabinette positiv betrach-tet wurde, war der verwirrende Unterhaltungswert des reflek-tierenden Einbaus im Zusammenhang mit der sakralen Nutzung in der Kritik. Als überstrapaziert wird die wiederholte Verwen-dung des christlichen Kreuzes betrachtet.Ohne jede Anbiederung stellt das Projekt einen eigenständigen und dabei innovativen Beitrag für den innenräumlichen Umgang mit historischer Substanz dar. Es besticht durch Reduktion, Klarheit und konsequente Umsetzung und wird von der Jury mit einer Anerkennung gewürdigt.

Planung

Nau2 GmbH, Zürich

  • Dipl. Arch. Jean-Lucien Gay
  • Arch. Michael J. Brown

Vorstand Stiftung Leuchtenburg

  • Sven-Erik Hiltzer

Auftraggeberin

Stiftung Leuchtenburg, Seitenroda

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